Es war schon seltsam als sie durch die Stadt fuhr. Erst gestern Abend hatte sie im Roman „Grenzgang“ von Stephan Thome gelesen. Sie hatte bewundert wie exakt er bis ins kleinste Detail Biedenkopf mit seinen kleinen Strassen und Gassen beschrieben hatte. Sie hatte nicht nur gelesen, nein sie war dabei. Und jetzt fuhr sie genau die gleichen Strecken ab.
Die 30 er Zone den Kottenbach hinunter und immer das Auge auf dem Tacho, denn die Hilfssheriffe konnten in jeder Hofeinfahrt stehen um Bußgelder in die marode Stadtkasse einzutreiben.
Das helle Licht des Marktplatzes lag vor ihr und trotz geschlossener Scheiben konnte sie den köstlichen Duft, den der Thailändische Imbiss versprühte, in sich aufsaugen.
Ente Kombayou....Thai Curry.....Frühlingsrollen.....
Sie spürte förmlich den guten Geschmack auf ihrem Gaumen, der ihr plötzlich vom schlechten Geschmack der Stadtväter verdorben wurde. Große kitschig, weiße Leuchtkugeln hingen über den Bäumen des Marktbrunnens. Wer will so etwas ?? Scheinbar ist das eine Art Schaffenskraft für Arme.
Genau wie die blödsinnige Strickaktion in der man versucht hat Ruhebänke, Zäune und andere öffentliche Einrichtungen zu verschönern.
Damals hatte man die Omas aus den Altenheimen hervorgeholt um unbeliebte und unschöne Stadtschändlichkeiten liebevoll zu umstricken.
Für die Omas war´s eine tolle Beschäftigungstherapie, für die Stadt ein absoluter Rückfall in die 70 er Hippi-Zeit.
Sie ärgerte sich über diese Stadt, aber sie fühlte sich hier zuhause.
Doch vor allen Dingen liebte und ärgerte sie sich über ihren kleinen Hund, den sie so sehr hasste.
Ein kleiner Toy-Harlekin-Pudel hatte ihr Herz erobert und sie trotzdem fast zu jeder Minute seiner Familienzugehörigkeit in den Wahnsinn getrieben.
Das würde sie natürlich nie zugeben, denn ihr Mann, hatte ihr das kleine Bündel, frech und unverschämt wie er war, damals am heiligen Abend , einfach unter den Baum gelegt.
Dieses kleine triebgesteuerte Fellknäuel das sich täglich mehrmals untenrum vollschifft,
dessen Hintern mit nicht zu nennendem ekelhaftem Zeug verklebt ist , machte sie wütend.
Aber ihre Babys haben sie auch manchmal wütend gemacht.
Mit dem Unterschied.........Ihre Babys liebt sie......den Hund hasst sie!!!
Und gerade deshalb fährt sie jetzt mit ihren schicken neuen Stöckelschuhen durch diese SCHEISS- STADT.
Sie sucht diesen Scheiss Hund und sie weint ein paar heimliche Tränen und hofft das er niemehr, .......bald wieder kommt.
Sie fährt vorbei an diesem blöden Kriegerdenkmal am Marktplatz, das unsere Stadt in ein Licht rückt, als würden wir einer dunklen politischen Zeit nachtrauern.
Vorbei der Bushaltestelle, biegt sie rechts ab in Richtung Hainstraße.
Langsam fahren,.... Anne,.... langsam fahren, auch hier ist 30 er Zone.
Sie fährt 28 kmh, aber vom Hund keine Spur.
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