Die Wut in ihr war das einzige was
sie spürte.
Die Wut auf den „Pudolski“, wie
Matthias seinen Hund immer nennt und die Wut auf die 7 Idioten, die
im besoffenen Kopf entschieden hatten am Grundstück zu übernachten.
Im Sommer macht das Spaß, aber zu
dieser Jahreszeit ist es wirklich Hirnverbrannt.
Die Feuerwehr in Biedenkopf war in
Alarmbereitschaft um abgesoffene Keller auszupumpen und die Flußnahen Anwohner schützten ihre Anwesen mit Sandsäcken.
Es herrschte eine seltsame Atmosphäre
in der gesamten Stadt.
Eigentlich hatte sie sich mit dem
Ableben des Pudels abgefunden, der entweder ertrunken, oder von
wilden Tieren gefressen wurde.Und eigentlich wollte sie gar nicht
traurig darüber sein.
Aber jetzt überkam es sie. Wenn der
kleine Kerl jetzt tot ist. Der kleine Kerl, der sie so oft getröstet
hat, der kleine Kerl,der immer so zärtlich war und der nur eines
wollte – nämlich geliebt werden
.
Sie war mittlerweile zuhause und
überprüfte die Mitteilungen auf dem Anrufbeantworter.
„ Der Freibeuter hier, bitte ruft
mich zurück, es geht um einen wichtigen Auftritt im März 2013“,
„Guten Tag Herr Carras, wir
beglückwünschen sie zum Gewinn von......“
„Hallo Anne, ich bin´s Top, hasst Du
was von unseren Schiffbrüchigen gehört??“
Sie weinte und sie schrie, obwohl sie
niemand hörte, in die leere Wohnung:,
„Ihr Arschlöcher“.
Es war wie ein Befreiungsruf, es war
Angst, Wut und Mut.
Seit über 30 Jahren war sie mit ihm
zusammen, er hatte sich nie geändert.
Sie hatte ihm drei Kinder geboren, die
älteste Tochter hatte ihm ein Enkelkind geschenkt, aber er blieb ein
ewiger Haudegen ein Halbstarker, ein Kind, auf der Suche nach dem
nächsten Abenteuer.
Das machte ihn interessant, genau wie
der sein mittlerweile grau werdende Bart.
Aber das stresste auch.
Der Anruf von Top, dem Freund unserer
Tochter Elisa, weckte sie aus ihren Gedankengängen auf..
Dieser nette junge Mann - die Mutter
aus Thailand - er Vater ein „Birreköpper“, er würde ihr trotz
seines wohlverdientem Feierabend helfen. Und das tat er.
Anne hatte Angst in der Dunkelheit in
den Wald zu fahren, aber jetzt wo ihr Schwiegersohn in Lauerstellung,
neben ihr saß, fühlte sie sich sicher.
Beide waren aufgebracht.
Erst einmal wegen den Liebsten, die in
den Fluten der Lahn fest saßen und zum zweiten wegen dem immer noch
vermissten Hund.
Es gab einen befestigten Weg über dem
Grundstück.Und es waren nicht einmal 100 Meter, die sie von den
„Abgetauchten trennten.
Aber die dornigen Äste der Schlehen
machten das durchkommen unmöglich.
Anne schaltete das Fernlicht ein, die
Nacht war zu dunkel, man sah die Hand vor Augen nicht.
Es war wie in Trance, wie im Traum und
sie wollte ihrem beschützendem Begleiter gar nicht sagen, was sie
gerade gesehen hatte.
Der würde sie sowieso für verrückt
erklären.
Sie glaubte ihre Nerven fahren
Achterbahn.
Top brach das Schweigen und fragte
völlig wertfrei, „Hast Du gesehen was ich gesehen habe?“,
sie traute sich nicht zu antworten und
sie dachte sie hätte eienen an der Klatsche.
„Was hast du gesehen“, fragte sie.
„Hey Anne, da war ein Wildschwein mit
einem Klodeckel um den Hals, bist Du blind?“
Sie hielt
an, sie war fertig mit den Nerven, aber sie hatte keine
Halluzinationen, ihr Beifahrer hatte genau das Gleiche gesehen.
Anne weinte, sie war am Ende ihrer
Kräfte und Top übernahm das Steuer.
„Wir müssen jetzt ganz klar denken“,
sagte er.
Am besten wir rufen den Förster an.
Der Förster...... in Anne regte sich
etwas. Der Förster war ein jahrelanger Freund, warum war sie nicht
vorher auf den Gedanken gekommen?
Andy, der Förster war innerhalb von 10
Minuten vor Ort. Er machte zwar Witze über das „Wildschwein mit
dem Klodeckel um den Hals“, aber er glaubte die Geschichte.
Viel wichtiger erschien es ihm aber,
die die von den Fluten eingesperrten zu befreien.
Eine halbe Stunde später waren drei
Waldarbeiter vor Ort, die sich mit Motorsägen einen Weg zum
Grundstück freiräumten.
Wir waren gerettet und krochen den Hang
mit letzter Kraft hinauf.
Ich küsste meine Frau wie zu ersten
Mal, innig und voller Leidenschaft.
Das was ich habe, hat
niemand.........Schatz ich liebe Dich !!!
Auf dem Weg nach Hause sprach niemand
ein Wort.
Jeder wollte schlafen.
Der Weg durch die „Freiherr von Stein
- Straße“ schien unendlich lang .
Es war seltsam, es war wie ein Zauber
und es war als hätte ich diese ganze Geschichte nur
erfunden..........
Unser Hund saß vor Haustür, lächelte
mich unverschämt an wie immer, als wäre nichts geschehen.......,
er war schmutzig, aber er war
glücklich und wahrscheinlich hatte er sich vermehrt.
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