Freitag, 11. Januar 2013

ABGETAUCHT, mein persönlicher Kurzroman


Nein, ich bin nicht abgetaucht!
Wer mich genau kennt, weiss, dass ich zwischem dem 21.12 und dem 30.12. kaum erreichbar bin.
Da ist zunächst mein Geburtstag, vor dem ich immer fliehe. Ich schalte mein Handy aus und vermeide das Internet. Ich möchte einfach an diesem Tag nur „ICH“ sein und das im Kreis meiner Familie.

In diesem Jahr hatte ich den schönsten Geburtstag den ich jemals hatte.
Es war kalt,.. bitterkalt und die letzten Blätter fielen von den Buchen an meinem Waldgrundstück an der Lahn in Biedenkopf. Der Rest Schnee der vergangenen Tage lag noch auf dem schmalen holprigen Weg zur Hütte, aber er war, Gott sei Dank, trotzdem befahrbar.
Klar, habe ich im Häuschen eine Kamin der es kuschelig und warm macht, aber der Platz,..???.
Wenn alle aus der Familie kommen, die mir am Herzen liegen, ...dann müssen viele draussen bleiben und frieren.

So etwas geht ja gar nicht!!!
Zusammen mit meiner Frau habe ich eine Lösung geschaffen.
Wir habe gemeinsam den Dachboden der Hütte durchforstet und ganz viele Balken, Bretter und Latten gefunden. Daraus entstand ein stattliches Vorzelt, das ich von aussen mit einer festen Plastikplane und von innen mit warmen Decken verkleidet habe.

Zwei Biergarnituren, dekoriert im bayrischen Stil, habe dem Ganzen einen heimelichen besonderen Flair verliehen. Der vorhandene Gasgrill machte das Vorzelt gemütlich und warm. der ganze Raum erfüllt mit dem Duft eines leckeren Partyschinkens, der uns mit hausgemachten Kartoffel und Krautsalat herrlich schmeckte.
Ihr könnt Euch vorstellen, die Nacht wurde lang... Glühwein, Lagerfeuer und leichter Schneefall
brachten uns alle in eine wunderbare, Weihnachts-Wunderwelt-Stimmung.

Mit 7 Leuten haben wir im Häuschen übernachtet; doch am nächsten Morgen war der Schnee geschmolzen. Vom schmalen Weg am Rande der Lahn war nicht´s mehr zu sehen. Der sonst so kleine; und junfräuliche Fluss war über seine Ufer getreten.

Wir hingen fest.
Essen und trinken hatten wir noch genug, ...aber mein Hund war verschwunden.
Es ist schon seltsam wenn man ein Tier, das man sonst so liebt, plötzlich als Bastard bezeichnet.
Ich hätte ihn in der Luft zerreisen können.
Wo war das kleine Viech bloss??
Wir sind ausgeströmt, haben den gesamten steilen, mit stacheligem Gestrüpp bewachsenem
Hang abgesucht. Die spitzen Dornen der Schlehen haben uns die Hände aufgerissen und blutetenden.
Nicht´s deutete auf eine Spur von meinem Hund.

Mein Schwager hatte noch Akku auf seinem Handy und so konnten wir zum Glück Kontakt zu meiner Frau halten. Auch sie hatte den ganzen Morgen nach unserem Hund, in der vom Weihnachtstrubel befallenen Stadt gesucht. Dort standen die festlich geschmückten Buden und aus jeden Lautsprecher ertönte „Oh, Du Fröhliche“. Anne war alles andere als fröhlich! Sie hatte Wut,..Wut, weil wir in der Hütte bleiben wollten und Wut, weil wir, die restlichen 7 das Abenteuer gesucht haben...

Wir kamen nicht raus: Mein Schwager, fast zwei Meter hoch, bullig und mutig, erfasste die Initiative.
Er stieg den Hang hoch in das unbekannte Waldterretorium, um uns, aus dem Schlammassel zu befreien. In der Zwischenzeit versammelten sich die übrigen sechs um das immer noch brennende
Lagerfeuer. Die Tannendekoration des letzten Abends brannte wunderbar und ergab zudem eine wohlige Wärme ab.

7 Leute waren wir, mein Schwager auf Rettungskurs, die beiden Frauen (meine mittlere Tochter und meine Schwägerin), die drei anderen, angeblich starken Männer und ich!! Egal ob Männlein oder Weiblein, wir waren alle am Ende.

Kalte Füße, Kopfschmerzen (vom Glühwein) und eine unsägliche Müdigkeit.

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